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Weniger Lohn bei Krankheit: Entgeltfortzahlung und Krankengeld verstehen

Nach sechs Wochen Krankheit sinkt das Einkommen auf etwa 70 % des Bruttogehalts (Krankengeld), maximal rund 3.550 Euro brutto monatlich. Das Netto fällt entsprechend niedriger aus.

Weniger Lohn bei Krankheit: Was Arbeitnehmer wissen müssen

Wenn Sie krankheitsbedingt ausfallen, verändert sich Ihr Einkommen – und das oft spürbar. Viele fragen sich: Bekomme ich weniger Lohn bei Krankheit? Die Antwort lautet: Ja, aber erst nach einer bestimmten Frist. In den ersten sechs Wochen zahlen Arbeitgeber das volle Gehalt weiter (Entgeltfortzahlung). Erst danach sinkt das Einkommen auf das Krankengeld der Krankenkasse. Dieser Artikel erklärt die Unterschiede zwischen Brutto und Netto, zeigt konkrete Beispiele und gibt Ihnen eine Orientierung, wie viel Sie bei längerer Krankheit erwarten können.

Brutto vs. Netto – die Grundlagen

Ihr Bruttogehalt ist der Betrag, den Ihr Arbeitgeber Ihnen vor Abzug von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen zahlt. Das Netto ist das, was tatsächlich auf Ihrem Konto landet. Die Differenz beträgt je nach Steuerklasse, Kirchensteuer und Kinderfreibeträgen etwa 30 bis 40 Prozent. Bei der Entgeltfortzahlung bleibt Ihr Netto zunächst gleich. Beim Krankengeld hingegen ändert sich die Berechnungsgrundlage.

Laut Destatis lag das durchschnittliche Bruttojahresgehalt Vollzeitbeschäftigter 2025 bei 64.441 Euro – das sind rund 5.370 Euro brutto im Monat. Der Median, also die Mitte aller Gehälter, beträgt laut unserer Datenbank etwa 45.000 Euro brutto jährlich (3.750 Euro monatlich). Diese Werte helfen, die Auswirkungen von Krankheit auf das Einkommen besser einzuschätzen.

Die sechs Wochen Entgeltfortzahlung

Erkranken Sie, haben Sie Anspruch auf Fortzahlung Ihres vollen Bruttogehalts für bis zu sechs Wochen. Das gilt für jede neue Erkrankung. Ihr Arbeitgeber ist dazu verpflichtet – unabhängig von der Betriebszugehörigkeit. In dieser Zeit erhalten Sie also nicht weniger Lohn bei Krankheit. Ihr Netto bleibt identisch.

Nach sechs Wochen: Krankengeld als Ersatz

Ab dem 43. Krankheitstag springt die gesetzliche Krankenkasse ein. Sie zahlt Krankengeld in Höhe von 70 Prozent Ihres Bruttoverdienstes, jedoch maximal 90 Prozent Ihres Nettoverdienstes. Zudem ist die Höhe gedeckelt: 2026 liegt die Beitragsbemessungsgrenze bei etwa 5.175 Euro monatlich, sodass das maximale Krankengeld brutto rund 3.550 Euro beträgt. Das bedeutet: Wer mehr als etwa 5.000 Euro brutto im Monat verdient, erhält nicht 70 Prozent, sondern nur den gedeckelten Betrag.

Ein Beispiel: Verdienen Sie 3.750 Euro brutto (Median), liegt Ihr Krankengeld bei etwa 2.625 Euro brutto. Nach Abzug von Steuern (Krankengeld ist steuerpflichtig, aber sozialversicherungsfrei) bleibt netto rund 1.900 bis 2.100 Euro – je nach Steuerklasse. Das ist deutlich weniger als Ihr gewohntes Netto von etwa 2.400 Euro (Steuerklasse I, keine Kinder). Sie haben also weniger Lohn bei Krankheit.

Berufsspezifische Unterschiede

Die tatsächliche Höhe des Krankengeldes hängt stark von Ihrem Beruf und Gehalt ab. Ein Softwareentwickler mit 62.000 Euro Jahresgehalt (5.167 Euro monatlich) liegt knapp unter der Deckelungsgrenze und erhält rund 3.550 Euro Krankengeld brutto. Eine Pflegekraft mit 38.000 Euro (3.167 Euro monatlich) bekommt etwa 2.217 Euro brutto. In beiden Fällen sinkt das Netto spürbar.

Unser Berufsspiegel zeigt, dass die Gehaltsspannen je nach Region, Tarifbindung und Berufserfahrung stark variieren. Wer in einem tarifgebundenen Unternehmen arbeitet, hat oft zusätzliche Regelungen zur betrieblichen Krankenversicherung oder zu Krankengeldzuschüssen. Fragen Sie bei Ihrem Arbeitgeber nach – manche zahlen freiwillig einen Zuschuss zum Krankengeld, um die Lücke zu verkleinern.

Wie Sie sich finanziell absichern können

Da Sie bei längerer Krankheit weniger Lohn erhalten, ist eine private Absicherung sinnvoll. Eine Krankentagegeldversicherung kann die Differenz zwischen Krankengeld und Ihrem gewohnten Netto ausgleichen. Auch ein finanzielles Polster für mindestens drei Monate wird empfohlen. Beachten Sie: Das Krankengeld ist auf maximal 78 Wochen innerhalb von drei Jahren begrenzt. Danach droht eine deutliche Einkommenseinbuße.

Fazit

Ja, Sie bekommen weniger Lohn bei Krankheit – aber erst nach sechs Wochen. Die Höhe des Krankengeldes hängt von Ihrem Bruttoeinkommen ab und ist gedeckelt. Um die finanziellen Folgen abzufedern, sollten Sie Ihre individuelle Situation kennen. Nutzen Sie unseren Gehaltsdaten-Bereich, um Ihr persönliches Brutto- und Nettoeinkommen zu berechnen. Und denken Sie daran: Steuerklasse, Kinder und Kirchensteuer beeinflussen das Netto maßgeblich. Planen Sie voraus, damit eine Krankheit nicht zur finanziellen Belastung wird.

Häufige Fragen

Wie lange bekomme ich bei Krankheit mein volles Gehalt?

Arbeitgeber sind gesetzlich verpflichtet, Ihr Gehalt für maximal sechs Wochen (42 Kalendertage) bei Arbeitsunfähigkeit fortzuzahlen. Danach übernimmt die Krankenkasse mit dem Krankengeld, das niedriger ausfällt.

Wie hoch ist das Krankengeld und wie wird es berechnet?

Das Krankengeld beträgt 70 % Ihres Bruttoverdienstes, aber höchstens 90 % Ihres Nettoverdienstes. Es ist zudem auf etwa 3.550 Euro brutto monatlich gedeckelt (Beitragsbemessungsgrenze 2026). Bei einem Durchschnittsgehalt von 3.750 Euro brutto erhalten Sie rund 2.625 Euro brutto als Krankengeld.

Wird vom Krankengeld noch Steuer und Sozialabgaben abgezogen?

Ja, das Krankengeld ist steuerpflichtig, aber es werden keine Beiträge zur Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung fällig. Die Krankenversicherung wird von der Krankenkasse getragen. Daher bleibt netto meist mehr übrig als bei einem vergleichbaren Bruttogehalt, aber weniger als bei voller Entgeltfortzahlung.

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