Zum Inhalt springen
Berufsgehalt

mindestlohn unter 18

Mindestlohn unter 18: Was Jugendliche in Deutschland verdienen – Region und Tarif entscheiden

Für unter 18-Jährige ohne abgeschlossene Berufsausbildung gilt der gesetzliche Mindestlohn nicht; die tatsächlichen Verdienste variieren stark nach Region, Tarifbindung und Branche – oft unter 12,82 €/Stunde.

Mindestlohn unter 18: Was Jugendliche in Deutschland verdienen

Viele junge Menschen in Deutschland gehen neben der Schule oder in den Ferien arbeiten. Dabei stellt sich oft die Frage: Gilt der gesetzliche Mindestlohn auch für unter 18-Jährige? Die Antwort ist überraschend: Nein, grundsätzlich nicht. Der Mindestlohn nach dem Mindestlohngesetz (MiLoG) greift nur für volljährige Arbeitnehmer oder für Jugendliche, die bereits eine abgeschlossene Berufsausbildung haben. Für alle anderen unter 18-Jährigen gibt es keine gesetzliche Lohnuntergrenze. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie beliebig niedrig bezahlt werden dürfen – Tarifverträge, Branchenüblichekeit und regionale Unterschiede setzen oft eigene Maßstäbe.

Brutto und Netto: Was bleibt vom Lohn übrig?

Bevor wir auf die Details eingehen, ein kurzer Exkurs zu Brutto und Netto. Der Bruttolohn ist der Betrag, den der Arbeitgeber zahlt. Davon werden Steuern und Sozialabgaben abgezogen – übrig bleibt der Nettolohn. Bei unter 18-Jährigen, die oft in Minijobs arbeiten (bis 538 Euro monatlich), fallen pauschal 20 % Abgaben an (Rentenversicherung und ggf. Steuern). Wer mehr verdient oder in einem sozialversicherungspflichtigen Job steht, muss mit höheren Abzügen rechnen. Die genaue Nettohöhe hängt von der Steuerklasse, der Kirchensteuer und der Anzahl der Kinder ab. Deshalb sind alle hier genannten Beträge Brutto-Orientierungen.

Warum der Mindestlohn unter 18 nicht gilt

Der Gesetzgeber hat die Ausnahme für unter 18-Jährige ohne abgeschlossene Berufsausbildung bewusst geschaffen. Der Grund: Junge Menschen sollen durch niedrigere Löhne leichter einen Ausbildungsplatz finden oder Berufserfahrung sammeln können. Kritiker bemängeln, dass dies zu Lohndumping führen kann. Tatsächlich verdienen viele Jugendliche in Aushilfsjobs Stundenlöhne zwischen 8 und 12 Euro – deutlich unter dem allgemeinen Mindestlohn von 12,82 Euro (Stand 2025). Laut einer Studie des IAB (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung) liegt der durchschnittliche Stundenlohn für unter 18-Jährige ohne Ausbildung bei etwa 9 bis 11 Euro.

Region und Tarif: Warum dasselbe Berufsbild unterschiedlich verdient

Der Lohn für unter 18-Jährige variiert stark – und das nicht nur von Branche zu Branche. Zwei entscheidende Faktoren sind die Region und die Tarifbindung. In tarifgebundenen Betrieben, etwa im Einzelhandel oder im Handwerk, gelten oft feste Lohnsätze für Jugendliche. Diese können durchaus über dem allgemeinen Mindestlohn liegen. Beispielsweise zahlen viele Tarifverträge im Einzelhandel für unter 18-Jährige zwischen 10 und 13 Euro pro Stunde. In Ostdeutschland sind die Tariflöhne dagegen häufig niedriger – hier liegen die Stundenlöhne für Jugendliche im Schnitt 10 bis 15 Prozent unter denen in Westdeutschland (Destatis, Verdienststrukturerhebung). Auch die Betriebsgröße spielt eine Rolle: Größere Unternehmen zahlen oft besser als kleine Betriebe.

Ein weiterer Punkt: Die Branche. Während Jugendliche in der Systemgastronomie oder im Reinigungsgewerbe oft nur den branchenüblichen Niedriglohn erhalten, können sie in der Industrie oder im technischen Bereich deutlich mehr verdienen. Wer beispielsweise als Aushilfe in einem Ingenieurbüro arbeitet, bekommt nicht selten 12 bis 14 Euro pro Stunde – also mehr als den gesetzlichen Mindestlohn für Erwachsene.

Vergleich mit anderen Berufsgruppen

Zum Einordnen: Der Median-Bruttoverdienst aller Vollzeitbeschäftigten in Deutschland liegt bei rund 45.000 Euro pro Jahr (Destatis). Ein unter 18-Jähriger, der in den Ferien oder neben der Schule arbeitet, kommt meist auf weit weniger – oft nur einige tausend Euro im Jahr. Selbst wer regelmäßig 10 Stunden pro Woche arbeitet, erreicht selten mehr als 5.000 bis 6.000 Euro Bruttojahresgehalt. Zum Vergleich: Eine ausgebildete Pflegekraft verdient im Schnitt rund 38.000 Euro brutto im Jahr, ein Softwareentwickler etwa 62.000 Euro. Die Schere ist also riesig – aber das liegt auch daran, dass Jugendliche meist nur geringfügig beschäftigt sind.

Was bedeutet das für die Praxis?

Wenn Sie als Jugendlicher oder als Eltern eines Jugendlichen einen Job suchen, sollten Sie auf den Tarifvertrag achten. Viele Branchen haben eigene Regelungen für unter 18-Jährige. Fragen Sie vor Vertragsunterzeichnung nach dem Stundenlohn und vergleichen Sie mit den ortsüblichen Sätzen. Auch die Berufsgehalt-Übersicht bietet eine erste Orientierung zu typischen Gehältern in verschiedenen Berufen. Weitere Informationen zu Gehaltsverhandlungen und rechtlichen Grundlagen finden Sie in unserem Ratgeber.

Fazit

Der Mindestlohn unter 18 ist ein komplexes Thema: Die gesetzliche Regelung schützt Jugendliche ohne Ausbildung nicht, aber Tarifverträge und regionale Unterschiede sorgen für eine große Spanne. Wer sich informiert und vergleicht, kann auch als unter 18-Jähriger einen fairen Lohn aushandeln. Denken Sie daran: Brutto ist nicht Netto – und Steuerklasse, Region und Tarif verschieben die Spanne erheblich. Verbindlich ist immer Ihr individueller Arbeitsvertrag.

Häufige Fragen

Gilt der gesetzliche Mindestlohn auch für unter 18-Jährige?

Nein, der gesetzliche Mindestlohn nach dem Mindestlohngesetz (MiLoG) gilt nicht für Arbeitnehmer unter 18 Jahren, die keine abgeschlossene Berufsausbildung haben. Für sie gibt es keine gesetzliche Lohnuntergrenze – ihr Verdienst richtet sich nach Tarifvertrag, Betriebsvereinbarung oder individuellem Arbeitsvertrag.

Wie hoch ist der Mindestlohn 2025 und wie entwickelt er sich?

Ab 1. Januar 2025 beträgt der gesetzliche Mindestlohn 12,82 Euro pro Stunde. Die Mindestlohnkommission hat weitere Erhöhungen beschlossen: auf 13,9 Euro ab 1. Januar 2026 und auf 14,6 Euro ab 1. Januar 2027. Diese Werte gelten jedoch nicht für unter 18-Jährige ohne abgeschlossene Ausbildung.

Welche Faktoren beeinflussen das Gehalt von unter 18-Jährigen am stärksten?

Region und Tarifbindung sind entscheidend: In tarifgebundenen Betrieben (z. B. Einzelhandel, Gastgewerbe) erhalten Jugendliche oft höhere Stundenlöhne. Auch die Branche spielt eine Rolle – im Handwerk oder in der Industrie wird meist besser bezahlt als im Servicebereich. Zudem unterscheiden sich die Löhne zwischen Ost- und Westdeutschland deutlich.

was ist der mindestlohn in deutschland

Was ist der Mindestlohn in Deutschland und wie beeinflusst er Ihr Gehalt? Region und Tarif im Vergleich

Erfahren Sie, was der Mindestlohn in Deutschland ist und warum Ihr Gehalt je nach Region und Tarifvertrag stark variieren kann. Brutto-Spannen und Netto-Einordnung für typische Berufe.

azubi mindestlohn 2025

Azubi Mindestlohn 2025: Was Azubis wirklich verdienen – Region und Tarif entscheiden

Der Azubi Mindestlohn 2025 liegt bei 682 € brutto im Monat – doch Tarifverträge und Regionen sorgen für große Unterschiede. Erfahren Sie, wie viel Azubis netto haben und warum derselbe Beruf unterschiedlich bezahlt wird.

mindestlohn 2026

Mindestlohn 2026: Was er für Ihr Gehalt bedeutet – Region und Tarif entscheiden

Erfahren Sie, wie der Mindestlohn 2026 die Gehaltsuntergrenze definiert und warum Region und Tarifverträge für große Unterschiede sorgen. Brutto-Netto-Vergleich inklusive.

mindestlohn in deutschland

Mindestlohn in Deutschland 2026: Region und Tarif bestimmen das Gehalt

Wie hoch ist der Mindestlohn in Deutschland 2026? Erfahren Sie, wie Region und Tarifbindung das Brutto- und Nettogehalt beeinflussen – mit aktuellen Zahlen und Berufsvergleichen.

deutschland mindestlohn

Region und Tarif: Warum dasselbe Berufsbild in Deutschland unterschiedlich verdient

Erfahren Sie, wie Region und Tarifbindung das Gehalt beeinflussen – vom deutschland Mindestlohn bis zum Berufsspiegel. Brutto-Spannen und Netto-Einordnung verständlich erklärt.

1500 brutto in netto

1500 Euro brutto in netto: Was bleibt Ihnen wirklich? Region und Tarif entscheiden

1500 brutto in netto: Wie viel bleibt nach Abzügen? Erfahren Sie, warum Region und Tarifbindung das Netto stark beeinflussen – mit Beispielen und Orientierungshilfen.