kein lohn am ersten krankheitstag
Kein Lohn am ersten Krankheitstag: Was gilt in Deutschland?
Die gesetzliche Lohnfortzahlung beträgt 100 % des Bruttogehalts ab dem ersten Krankheitstag – es sei denn, Ausnahmen wie die Wartezeit in den ersten vier Wochen oder bestimmte Vertragsarten greifen.
Kein Lohn am ersten Krankheitstag – was steckt dahinter?
Viele Arbeitnehmer in Deutschland gehen davon aus, dass sie ab dem ersten Tag einer Krankheit ihr volles Gehalt vom Arbeitgeber erhalten. Das ist in den meisten Fällen auch richtig – doch es gibt Ausnahmen, bei denen tatsächlich kein Lohn am ersten Krankheitstag gezahlt wird. Dieser Artikel erklärt die gesetzliche Regelung, die wichtigsten Ausnahmen und gibt eine Einordnung in Brutto und Netto.
Die gesetzliche Grundlage: Entgeltfortzahlung
Nach dem Entgeltfortzahlungsgesetz (EFZG) haben Arbeitnehmer ab dem ersten Krankheitstag Anspruch auf Fortzahlung ihres Bruttogehalts durch den Arbeitgeber – und zwar für maximal sechs Wochen. Voraussetzung ist, dass die Arbeitsunfähigkeit unverschuldet ist (z. B. durch eine typische Grippe) und das Arbeitsverhältnis länger als vier Wochen besteht. Die Höhe der Zahlung orientiert sich am regelmäßigen Bruttoverdienst, inklusive fester Zulagen und Überstundenpauschalen.
Doch was bedeutet das für Ihr Nettoeinkommen? Die Lohnfortzahlung ist brutto gleich Ihrem normalen Gehalt. Die Abzüge für Steuern und Sozialversicherung bleiben identisch – Sie erhalten also das gleiche Netto wie an einem Arbeitstag. Allerdings kann es bei längerer Krankheit zu Änderungen kommen, etwa wenn die Lohnfortzahlung endet und Krankengeld einsetzt.
Ausnahmen: Wann fällt der Lohn am ersten Tag aus?
Die wichtigste Ausnahme ist die sogenannte Wartezeit. Nach § 3 EFZG entsteht der Anspruch auf Lohnfortzahlung erst nach vierwöchiger ununterbrochener Dauer des Arbeitsverhältnisses. Erkranken Sie innerhalb dieser ersten vier Wochen, muss der Arbeitgeber kein Lohn am ersten Krankheitstag (und auch an den folgenden Tagen) zahlen. Stattdessen können Sie Krankengeld von Ihrer gesetzlichen Krankenkasse beantragen. Dieses ist jedoch niedriger als Ihr Nettogehalt – es beträgt etwa 70 Prozent des Bruttogehalts, maximal 90 Prozent des Netto. Zudem greift das Krankengeld erst ab dem Tag der Arbeitsunfähigkeit, allerdings ohne Karenztag? Hier ist Vorsicht geboten: Die genaue Berechnung und der Auszahlungszeitpunkt variieren je nach Krankenkasse.
Weitere Ausnahmen:
- Selbstverschuldete Krankheit: Wenn Sie sich die Krankheit vorsätzlich oder grob fahrlässig zugezogen haben (z. B. durch einen Sturz unter Alkoholeinfluss), kann der Arbeitgeber die Lohnfortzahlung verweigern.
- Probezeit: Auch während der Probezeit gilt die Wartezeit von vier Wochen. Danach besteht der volle Anspruch.
- Befristete oder geringfügige Beschäftigung: Bei sehr kurzen Verträgen oder Minijobs kann die Lohnfortzahlung entfallen, wenn die Beschäftigung von vornherein auf weniger als vier Wochen angelegt ist.
- Tarifverträge: In manchen Branchen (z. B. Gastgewerbe, Zeitarbeit) können abweichende Regelungen bestehen. Prüfen Sie Ihren Tarifvertrag oder Ihre Betriebsvereinbarung.
Brutto vs. Netto – was bleibt Ihnen?
Um die finanzielle Auswirkung zu verstehen, hilft ein Blick auf typische Gehaltsgrößen. Laut der On-Site-Datenbank von Berufsgehalt liegt das Median-Bruttoeinkommen in Deutschland bei rund 45.000 Euro pro Jahr (ca. 3.750 Euro monatlich). Bei Steuerklasse I, ohne Kinder und ohne Kirchensteuer, ergibt sich daraus ein Netto von etwa 2.300 bis 2.400 Euro. Fällt die Lohnfortzahlung aus (z. B. in der Wartezeit), erhalten Sie stattdessen Krankengeld von rund 1.600 bis 1.700 Euro netto – ein deutlicher Unterschied.
Die genaue Nettohöhe hängt von Ihrer Steuerklasse, der Anzahl der Kinder, der Kirchensteuer und den Sozialversicherungsbeiträgen ab. Unser Ratgeber bietet eine detaillierte Übersicht, wie Sie Ihr Netto selbst berechnen können.
Was tun, wenn der Arbeitgeber keinen Lohn zahlt?
Sollte Ihr Arbeitgeber die Lohnfortzahlung verweigern, obwohl Sie die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen, haben Sie mehrere Optionen:
- Klärung im Gespräch: Oft liegt ein Missverständnis vor – weisen Sie auf das EFZG hin.
- Schriftliche Geltendmachung: Fordern Sie die Zahlung schriftlich mit Fristsetzung.
- Rechtliche Schritte: Bei anhaltender Verweigerung können Sie eine Klage vor dem Arbeitsgericht einreichen. Die Erfolgsaussichten sind gut, wenn die Wartezeit abgelaufen ist und keine Selbstverschuldung vorliegt.
Fazit
Die Regel „kein Lohn am ersten Krankheitstag“ ist in Deutschland die Ausnahme, nicht die Regel. Sie betrifft vor allem Berufsanfänger in den ersten vier Wochen, Arbeitnehmer mit selbstverschuldeter Krankheit oder Beschäftigte mit Sonderverträgen. In allen anderen Fällen zahlen Arbeitgeber ab Tag eins das volle Bruttogehalt. Um böse Überraschungen zu vermeiden, sollten Sie Ihren Arbeitsvertrag und geltende Tarifverträge genau prüfen. Wer unsicher ist, findet auf Berufsgehalt weitere Informationen zu Gehältern und arbeitsrechtlichen Themen.
Hinweis: Die hier genannten Beträge und Regelungen basieren auf dem Stand des deutschen Arbeitsrechts. Für eine verbindliche Auskunft wenden Sie sich an einen Fachanwalt für Arbeitsrecht oder Ihre Krankenkasse.
Häufige Fragen
Wann bekomme ich keinen Lohn am ersten Krankheitstag?
In der Regel haben Arbeitnehmer ab dem ersten Krankheitstag Anspruch auf Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber für bis zu sechs Wochen. Ausnahmen gelten in den ersten vier Wochen des Arbeitsverhältnisses (Wartezeit), bei selbstverschuldeter Krankheit (z. B. durch Alkohol) oder wenn der Arbeitsvertrag eine kürzere Probezeit mit abweichender Regelung vorsieht. Auch bei geringfügigen Beschäftigungen oder bestimmten befristeten Verträgen kann die Zahlung entfallen.
Was ist die Wartezeit bei der Lohnfortzahlung?
Die Wartezeit nach § 3 EFZG besagt, dass der Anspruch auf Entgeltfortzahlung erst nach vierwöchiger ununterbrochener Dauer des Arbeitsverhältnisses entsteht. Erkrankt ein Arbeitnehmer innerhalb dieser ersten vier Wochen, muss der Arbeitgeber kein Gehalt zahlen. Stattdessen kann der Arbeitnehmer Krankengeld von der gesetzlichen Krankenkasse beantragen – dieses wird jedoch erst nach einer Wartezeit von einem Tag? Tatsächlich: Krankengeld wird ab dem Tag der Arbeitsunfähigkeit gezahlt, aber die Höhe ist geringer als das Nettogehalt. Die genaue Regelung sollte im Einzelfall mit der Krankenkasse geklärt werden.
Wie hoch ist die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall?
Die Lohnfortzahlung beträgt 100 % des Bruttogehalts, das der Arbeitnehmer ohne Krankheit erhalten hätte. Dabei werden auch regelmäßige Zuschläge und Überstundenvergütungen berücksichtigt. Das Nettoeinkommen hängt von Steuerklasse und Sozialabgaben ab. Nach sechs Wochen endet die Lohnfortzahlung; dann zahlt die Krankenkasse Krankengeld in Höhe von etwa 70 % des Bruttogehalts (maximal 90 % des Netto).
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